Wann bist du eigentlich „erfolgreich“?

Über Geld, Erfolg, Freiheit und Sinnhaftigkeit. Ein paar Gedanken.

Diese Frage aus dem Titel finde ich ganz interessant, sich selbst zu stellen. Sie hinterfragt, wo wir eigentlich hin möchten, und was wirklich zählt – für dich ganz persönlich.

Unsere Gesellschaft sagt: Karriere und Kohle sind alles.

In unserer Gesellschaft ist das Bild „erfolgreicher Unternehmer“ offenbar stark verknüpft mit monetären Aspekten – wer viel Geld scheffelt, sich vor seinem Ferrari zeigt, eine Villa und eine Yacht hat, gilt als erfolgreich.

(Dagegen fällt auch zurück, ob die Ehe im Hintergrund auseinander bricht, ob es den Kindern wirklich gut geht, und wie sich derjenige dabei wirklich fühlt. Gefühle sind ohnehin nicht besonders IN in entsprechenden Publikationen, in unserer Gesellschaft).

Im Online-Marketing sehe ich immer mehr diese auf Geld verdienen ausgelegten Anzeigen, und dass offenbar ein 6-stelliges Business (also mindestens 100.000€ im Jahr zu verdienen) eine krönende Vorstellung ist. Ich habe nichts gegen diese Vorstellung, 100.000 im Jahr klingt super.

Ich bin nur verwundert, wie sehr dies im Vordergrund zu stehen scheint. (Vielleicht machen diese Anbieter aber auch einfach nur viel mehr Werbung als die andren oder waren bei bestimmten Online-Marketern in der Schule und machen das nun nach).

Wir – oder unsere westliche Welt mit ihren Vorstellungen – sind recht geprägt von der Vorstellung, viel Geld zu haben sei „erfolgreich“.

Ich möchte dies insofern hinterfragen, als dass ich viele Menschen gesehen und erlebt habe, die anders leben, die mir sehr zufrieden und „reich“ erschienen, die aber nicht übermäßig viel Geld hatten. Welche Faktoren gibt es noch, die du für dich durchdenken / erfühlen solltest?

 

Ich rede nicht von Armut

Um eines klar zu sagen: ich denke, ein solides Einkommen ist eine gewisse Grundvoraussetzung. Wer täglich ums blanke Überleben bzw. gegen ein leeres Konto ankämpft, befindet sich freilich nicht in einem Zustand von Fülle. Ergo wohl auch nicht in innerer Erfüllung.

Das würde auch bedeuten, dass du jedem Kunden hinterherläufst, in ständiger Angst, es könnte nicht reichen. Am arm sein oder daran, seine Rechnungen nicht zahlen zu können, ist freilich nichts schön oder edel.

Nun hätte ich ein wunderbares Festeinkommen ohne Probleme haben können. Ich hatte mein Studium mit 1.0 abgeschlossen. Ich konnte überall arbeiten. In meiner Branche (Informatik, IT) gibt es jede Menge Bedarf, und immer unbefristete Anstellungen (ein Luxus, wie ich heute weiß).

Ich begann in einem Konzern, und hätte dort sehr einfach mein Gehalt weiter steigern können. Nur 35h-Wochen, dafür 14,5 Monatsgehälter. Es fehlte mir nie an Geld – aber ich war so todunglücklich! Mein Körper schmerzte bereits mit 28 Jahren so sehr, dass ich meinen rechten Arm nicht mal mehr heben konnte. Der Rücken war aus Beton. Ich hatte jeden Tag Ängste.

Ich konnte mein Unglück damals nur langsam begreifen. Ich war doch „sicher“ und alles schien „bestens“ – von außen. Aber der Spruch: „was, wenn die Karriere-Leiter an der falschen Wand lehnt?!“ ging mir nicht aus dem Sinn. Da begann mein innerer Prozess, und die Gedanken, über die ich nun sprechen will, kamen auf.

Zu einem erfüllenden Business in Freiheit gehören für mich daher solide Einnahmen – aber eben noch mehr:

 

Zeit ist eine Währung.

Frei über die eigene Zeit verfügen können. Das ist möglicherweise eines der größten Ziele, für die es sich einzusetzen lohnt.

Zeit zu haben für all jene Dinge, die uns wichtig sind. Was genau ist uns eigentlich alles wichtig?

Meine Selbstständigkeit nahm fast wie von allein Fahrt auf, und während ich zu Beginn meine Zeit auch für Yoga und Spaziergänge nutzte, nahm fast unmerklich meine Arbeitszeit zu.

Ich war durchaus beseelt davon, mein Terminbuch gefüllt zu sehen. Meine anfängliche Existenzangst schrumpfte. Ich war stolz, bereits im ersten vollen Jahr meiner eigenen Tätigkeit mein Wunschgehalt zu verdienen, ähnlich wie im Konzern sogar.

Dann wollte ich das weiter steigern (du weißt schon: 6-stellig und alles muss mit Leichtigkeit ganz einfach gehen. U.s.w.). Abends saß ich so lange am PC, dass mein Mann sich beschwerte (der wollte einfach mal Abend essen).

Neben meiner direkten Arbeit für meine Kund*innen wollte ich ja diverse Online-Kampagnen starten, YouTube-Kanal und Podcast mussten gefüllt werden. „Von nichts kommt nichts, wir müssen uns Ziele setzen“.

Dann brauchen wir Mechanismen um diese zu verfolgen, dann „musst du halt effizienter arbeiten…“.

 

Vom Müssen und vom Wünschen

Merkst du die Zunahme des Wörtchens „Muss“? Irgendwie nahm meine Freude im selben Maß ab, wie ich mich zu den anderen Dingen verpflichtet fühlte. Sonst bin ich ja nicht erfolgreich! So weit, dass sich gar nichts mehr leicht anfühlte, trieb ich mich.

Ich hatte seit 3 Jahren keinen Urlaub gemacht. Ich verstand wieder einmal nicht, was los war. War ich denn nicht auf dem „Weg des Erfolges?“ Monetär ja schon…

Wieder einmal schien „von außen“ alles toll, aber innen stimmte nichts mehr. Ich war fast verzweifelt – und machte ein persönliches Coaching. Eine meiner Aufgaben war hier, doch einfach einmal meine Wünsche zu notieren.

Ziemlich erhellend: meine persönlichen Wünsche sind recht einfach. Ich möchte Yoga machen. Draußen sein in der Natur. Einen Garten bepflanzen und mein eigenes Gemüse ernten. Mit Freunden und Familie eine gute Zeit haben. Mir ist weder das Gucci-Täschchen wichtig noch brauche ich ein Boot (ein schönes Haus ist mir allerdings wichtig).

Ich bin gerne Herrin über meine ZEIT. Und ich möchte ZEIT für diese einfachen Dinge des Lebens haben. Und? Hatte ich mir diese Zeit noch gegönnt?

 

Was haben andere mir gesagt?

Ich sprach dazu auch mit anderen offenkundig erfolgreichen Unternehmerinnen, die ich begleitet hatte. Eine davon hatte bereits mehrere große Launches (= große organisierte Produktvermarktung) durchgeführt, machte dabei 5-stellige Umsätze (jeweils), und hatte hinsichtlich Marketing so ziemlich alles drauf.

Und immer, wenn ich die Menschen ehrlich anspreche, bin ich verblüfft über das Feedback: sie erzählte mir, sie schramme schon an der Depression entlang, und ihre Gesundheit sei nicht die beste. Sie sei oft im totalen Stress gewesen – und wir sprachen über: Zeit.

„Ja“, sagte sie, „ich möchte einfach mal wieder Freunde treffen. Und Fahrrad fahren.“

Wie stehst du selbst dazu?

Und wie geht es dir bei diesem Thema? Hast du genug Zeit? Ist es wichtig, zuerst viel zu verdienen, um dann Zeit zu haben? (Und ist das nicht eventuell eine Illusion?)

Oder lebst du so, dass du dir lieber Zeit gönnst? Machst du bereits heute dass, was dir wichtig ist – oder arbeitest du die ganze Zeit, um dann irgendwann mehr Zeit zu haben? Oder ist dir Zeit gar nicht so wichtig, viel Geld aber schon? Versuchst du vielleicht, grad beides zu vereinen?

Ich hab auch noch einen anderen selbstständigen Bekannten, der rechnet sich immer gern aus, was er maximal im Monat verdienen kann. Und macht nicht selten 12h täglich und am Wochenende gleich noch weiter.

Er versucht auch gerade, mit einer bestimmten Diät abzunehmen und zuletzt hatte er sich von seiner Freundin getrennt. Schaffen schaffen schaffen, von nichts kommt nichts. Wie stehst du dazu?

Ich will dir noch kurz von einer anderen Bekannten aus einer MasterMind-Gruppe erzählen. Sie arbeitet grundsätzlich nur halbtags. Denn: ihr ist Reisen so wichtig, und das macht sie die andere Hälfte ihrer Zeit.

Am Anfang dachte ich: „Der fehlt es einfach an Disziplin.“ Heute sehe ich das aus einer ganz anderen Richtung…

 

Leistung, Einsatz und Disziplin…

Diese drei Worte sind mir sehr vertraut – ich hab in der Schule schon immer mein Möglichstes getan, um die besten Noten zu haben. Ich war immer 150% über-zuverlässig. Wofür, das wusste ich nie so genau.

Bis zur Selbst-Zerstörung. Ich höre erst auf, wenn mein Körper seinen Dienst verweigert (mit Migräne zum Beispiel). Inzwischen habe ich gelernt, mehr auf meinen Körper und meinen inneren Kompass zu vertrauen. Aber da ist noch Luft nach oben.

Ich habe verstanden: Leistung und Disziplin sind gut, um bestimmte Ziele zu erreichen. Ich sollte lediglich immer wieder prüfen, ob die Ziele wirklich die meinen sind, oder ob diese von außen kamen. Oder, ob ich mich eigentlich glücklich dabei fühle, diese zu erreichen. Das möchte ich dir ebenfalls ans Herz legen, denn auch der Weg ist wichtig.

Ganz ohne Disziplin klappt es auch nicht (weil nicht immer alles nur einfach und leicht ist, das wäre zu simpel). Was aber einfach ist, sobald wir den Zugang haben (oder wiedergefunden haben): nach innen hören. Dort findest du deine Antworten, die für dich passen. WENN du da zuhörst.

 

Wann sind wir frei?

Als ich anfing mit meinem eigenen Business und meiner Selbstständigkeit, schwebten mir Selbstbestimmung und Freiheit vor. Was genau heißt das? Ist schön, darüber mal nachzudenken.

Ich glaube, wir streben mit unserem Geld in Wahrheit Freiheit an. Und die Vorstellung, alles kaufen zu können, was wir wollen, und nie mehr arbeiten zu müssen, steckt sozusagen dahinter. Bei manchen jedenfalls. Was bedeutet Freiheit für dich?

Ich war vorher angestellt und verbrachte die meiste Zeit im immer selben Zimmer mit dem immer gleichen Blick auf einen Parkhof. Nicht mal ein Baum war zu sehen.

Und für mich stand fest: Wenn ich mal selbstständig bin, dann will ich raus gehen, wenn die Sonne scheint. Und dies war meine Vorstellung von Freiheit! Eigentlich ganz einfach.

Genau betrachtet steckt einiges dahinter. Dass ich immer genug Geld zum bequem leben haben wollte, war für mich sowieso gesetzt. Immer raus gehen zu können, wenn die Sonne scheint, bedingt aber auch, dass ich keine voll geplanten Tage habe – und so flexible Angebote habe, dass das wirklich geht. Und ich mit dieser Über-Verpflichtung aufhöre.

Einfach nur genug Geld und Zeit haben?

Und mal angenommen, wir haben also genug Geld (was immer genug für den einzelnen oder für dich ist), jedenfalls genug, um aktuell keine existenziellen Sorgen zu haben (OK, sogar Millionäre können diese noch haben…). Und genug Zeit wäre auch da.

Vielleicht kannst du es dir vorstellen, einfach genug der beiden vorgenannten Dinge zu haben, selbst, wenn es heute (noch) nicht der Fall ist. Ich denke, das allein wäre immer noch irgendwie – langweilig!

Denn, sind wir ehrlich: da ist noch mehr, was zur echten Freiheit gehört (falls es sowas gibt – fühlt sich für mich allerdings so an, als gäbe es das).

Die beste Version von dir

Wenn die eigenen Bedürfnisse soweit abgedeckt sind (vielleicht auch davor schon), können wir uns dem öffnen, was wir zu geben haben. Unserer Leidenschaft, unserer Aufgabe – der inneren Flamme. Manche kennen sie schon von Jugend an. Andere suchen sie ein Leben lang.

Ich persönlich denke: Freiheit besteht vor allem darin, uns selbst zu erkennen, diese Stärken, manchmal auch vermeintliche Schwächen anzunehmen. Und dieses zum Wohle aller einzubringen. Das schließt selbstverständlich auch dein eigenes Wohl ein. Einfach die beste Version von uns selbst zu werden und dies anderen zuteil werden zu lassen.

 

Begeisterung und Freude – innerer Reichtum

Die Asiaten haben offenbar ein anderes Verständnis vom Begriff reich – jedenfalls wird dort auch Spiritualität, Zufriedenheit und Balance unter „Reichtum“ gesehen. Nicht umsonst gefallen mir deren Lehren bis hin zum Yoga.

Ich spüre dort eine Weisheit, die mir der westliche Erfolgsbegriff und Geld allein nicht geben können.

Im Gespräch mit meiner persönlichen Coachin sprach ich unter anderem über das Thema „Reich“.
Sie sagte: „Das heißt ja eigentlich Re-Ich.“

Re-Ich: Zurück zu mir. Ah, sehr schön 🙂 Wenn wir uns selbst (wieder)finden.

 

Finde dich selbst und dann gib dich weiter

Kennst du Richard Branson? Der sehr erfolgreiche britische Mehrfach-Unternehmer. Ich denke, er ist wirklich in jeder der genannten Hinsichten erfolgreich. Seine Biographie fand ich sehr inspirierend.

„Money is to make things happen“ schreibt er darin. Geld ist dafür da, Dinge geschehen zu machen (übersetzt sich etwas holprig). Und: dass wir in unserem Leben die Aufgabe haben, zuerst uns selbst zu finden. Und dann etwas der Welt zurück zu geben. Das schreibt er auch.

Vielleicht musst du erst einmal viel Geld verdienen, um dann zu spüren, ob es dich glücklich macht. Oder was da noch alles ist. Ich will das übrigens nicht abwerten. Wenn es das richtige bzw. ein gutes Ziel für dich ist, viel Geld zu verdienen, warum denn nicht? Ich möchte selbst gut Geld verdienen, stieß lediglich auf dem Weg dahin auf noch viel „einfachere“ Zutaten für Glück.

Ich habe in einem Buch über Reichtum die Aussage eines (monetär) reichen Menschen gelesen, der es in etwa so formulierte: „Ich wünsche allen, dass sie schnell reich werden und sich ihr Traumauto kaufen können. Denn je schneller das geht, desto schneller kannst du dich danach den wirklich wichtigen Dingen zuwenden und herausfinden, was da noch alles ist.“

Sei du – und lasse fließen

Ich für mich habe jedenfalls festgestellt: als ich meinen Plan vom großen Geld (und den einhergehenden Stress) ein Stück weit herunter genommen hatte, fiel plötzlich ungemein viel Druck von mir ab. Ich fühlte mich wieder leicht. Inspiriert.

Ich hatte nämlich ganz vergessen, was ich hatte sein wollen: eine Inspiration! Das stand ganz oben auf meiner neuen Wunschliste!

Ich fand ein Stück mehr zu mir selbst zurück. Und ich denke, es funktioniert anders herum – je mehr wir uns selbst finden und leben können, desto einfacher wird alles. Auch der Geldfluss zu uns. Noch wichtiger ist für mich sicher das persönlich empfundene Glück.

Neben Geld und Zeit sehe ich somit auch Selbsterkenntnis, Selbstliebe, Sinnfindung und daraus geboren Wert-Stiftung als unglaublich wichtig an und wundere mich manchmal über die Einseitigkeit aktueller Werbeanzeigen.

Freude und Begeisterung sind ansteckend – und letztendlich ohne äußere Umstände für uns herstellbar.

Ich bin gespannt, was noch kommt!

Wie geht es dir gerade in Bezug auf Erfolg, Geld, Sinnempfinden – und Glück bzw. Zufriedenheit?

 

Auf dein erfüllendes Business –

Liebe Grüße von Anja

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